Es ist ein Umschwung. Deutlich zu spüren auf der GDS. Die Ausgangssituation: Nach etlichen schlechten Monaten im Schuhhandel reisen
Aussteller wie Einkäufer mit gemischten Gefühlen zur Schuh- und Lederwarenmesse nach Düsseldorf Eine schleppende Orderrunde. Auch der frühe, bereits drei Wochen zurückliegende Micam-Termin in Mailand hatte viele Fragen offen gelassen. Doch jetzt, in Düsseldorf: großer Informationsbedarf, gelassene Stimmung, ordentliche Frequenz. Die Aussteller sind, im Großen und Ganzen, zufrieden. Auch wenn die Orderrunde — je nach Segment — weit oder sehr weit fortgeschritten ist, die GDS bleibt Pflichttermin, da ist sich der Großteil des Marktes diesmal sicherer als noch vor einigen Saisons. Mit 34 000 Besuchern verzeichnen die Veranstalter 3 % mehr als vor einem Jahr.
Sicher haben sich auch ihre Anstrengungen, die GDS/GLS schlüssiger zu positionieren und im Markenmix zu profilieren, ausgezahlt. Der Premium-Bereich mit rund 400 Kollektionen erstreckt sich erstmals über zwei Hallen: Die Anzahl der Aussteller im Bereich „Exclusivity” und in den ‚White Cubes”, wo sich Agenturen und progressive Labels präsentieren, ist um mehr als 50 % gestiegen. Es sind 45 % mehr italienische Aussteller dabei als im Vorjahr. „Unsere konzeptionelle Veränderung trägt Früchte. Wir haben tolle, anspruchsvolle Marken neu dabei oder zurück gewonnen”, sagt Frank Hartmann, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Düsseldorf Das junge Segment fühlt sich in der Halle 13 wohl. Wir sind mit Keds zum dritten Mal auf der GDS, und es ist ein superguter Tag für uns”, sagt Salesmanager Michael Schmitz am ersten Messetag. „Es waren qualitativ hochwertige Kunden am Stand, ob Key Accounts wie Görtz und Humanic oder individuelle Schlüsselkunden wie Zeitzeichen aus Würzburg.” Er lobt den Mix in Halle 13, wo Marken wie Replay, Fly London, Converse und Kangaroos ausstellen. Die Plattform Design Attack, die diesmal unter dem futuristischen Motto „Moonwalk” steht, trägt mit kleinen, individuellen Labels ebenso zur Profilierung bei. „Für uns ist es gut, dass der Stand nicht so teuer ist”, sagen Carolin Paintner und Nina Nwaisser, die gemeinsam das Shirtlabel Zweitracht entwickeln.
Insgesamt konnte die GDS einen Ausstellerzuwachs von 13 % verzeichnen. „Die Messe ist aus dem Dornröschen-Schlafaufgewacht, nachdem sie eine Ohrfeige von der Micam bekommen hatte. Jetzt ist sie super aufgestellt”, sagt Patrick Coppolechia, der Fratelli Rossetti vertreibt. Allein der späte Termin stört ihn: „Die Budgets sind zu diesem Zeitpunkt schon sehr ausgezehrt.” Achim Bruder, der mit Abro vertreten ist, hat damit kein Problem: „Es ist wie das letzte Mal — und da waren wir auch sehr zufrieden.” Er berichtet von internationalen Kunden, die keineswegs immer nach Düsseldorf kommen: „Manchen hat in Mailand die Zeit gefehlt…”
Und schließlich hat die Mode ihren eigenen starken Sog. Die neue Mode braucht neue Schuhe, da sind sich alle einig. So werden Ankle-Boots und Stiefeletten vielerorts gut besprochen. „Zu Beginn der Einkaufsrunde waren Stiefel stärker, doch das hat sich im Laufe der Wochen zugunsten von Stiefeletten geändert. Es kommt auf den Schnitt der Stiefelette an — vor allem dekolletierte Modelle sind sowohl für Hose als auch für Rock und Kleid geeignet”, sagt Dirk Jan Koppen von der Agentur House of Labels. Die neuen, weiten Hosen haben an vielen Ständen die Diskussion angeregt. Werden sie sich durchsetzen? Dann brauchen wir unbedingt neue AnkleBoots und Stiefeletten. Und hohe Absätze, so der Tenor.
Wird „Hoch” geordert? „Nun ja, wir reden viel über die Trends. Aber wenn ich einen 9 cm-Absatz auch als 6 cm-Absatz anbiete, dann greifen viele Einkäufer eher zu diesem”, berichtet Ralf Butz, der unter anderem Paco Gil vertreibt.
Zugleich spricht man wieder über Spitz. „Spitze Formen sind ein Aufsteiger”, sagt Wolfgang Klasmeier von Gixus. „Die Mode verlangt es, die Leisten müssen spitzer werden”, heißt es auch bei Hugo. So gibt es zum Herbst eine große Leistenvielfalt: spitze Formen, abgerundete Formen, Karree- Leisten. Karree-Variationen zählen bei Paco Gil zu den am besten verkauften Artikeln— ob flach oder mit Plateau und kräftigem Blockabsatz. „Spitz geht vor rund”, sagt Butz. Es ist eine gemäßigte Spitze, die vorne leicht aufgeworfen ist. „Neue Leisten, neue Bodenkonstruktionen, beides ist derzeit sehr wichtig”, bestätigt auch Thomas Bergbauer von Marc O’Polo.
Daneben, wenn nicht sogar stärker, setzt der Handel auf Themen, die bereits in den vergangenen Saisons funktioniert haben. So sind Schwarz und Braun die stärksten Farben auf den Orderblöcken. Einzig Cognac gilt als neuer Aufsteiger. „Cognac ist die Farbe!”, sagt Conradi. Die Wiederentdeckung von Cognac führt insgesamt zu einem Revival vieler heller Braunschattierungen. Auch in Reptiloptiken. Paco Gil hat noch im Verlauf der Saison Modelle nachgelegt, weil die Resonanz von modisch kaufenden Kunden so gut war. „Es ist überraschend, wie viel Braun geordert wird: sämtliche Cognactöne und Naturlederfarben”, meint auch Achim Bruder für Abro. „Es ist immer noch Braun, es ist immer noch eine neutrale Farbe, deswegen trauen sich auch nicht ganz so modische Händler ran”, sagt Michael Gerlach, Geschäftsführer von Brandmasters in Düsseldorf. Grau hat sich als Trendfarbe mit viel Schlamm und Taupe-Einflüssen etabliert. Die Akzentfarbe Lila wird bis jetzt schwächer als erwartet geordert. „Aber Farbe kann im Verlauf der Saison noch kommen”, so Dr. Thomas Nassua von S. Oliver.
Hohe Stiefel
Das Erfolgsthema der vergangen Saisons wird weitergespielt. „Coole Reiterstiefel in fetten Ledern mit aufgeworfener Kappe, das ordern alle. Auch „Reiter „ in Kroko-Optiken”, sagt Wolfgang Klasmeier, Gixus. Bei Cinque sind flache, cleane Stiefel der Bestseller. Lässige Lack-Modelle auf Sneakerböden oder kernige „Reiter” mit breiten, abnehmbaren Manschetten. Es soll rustikal sein. So berichtet Marc Zimmermann von der gleichnamigen Agentur: „Das Label Hunter kommt super an, die lässigen Gummi-Stiefel entsprechen dem Zeigeist.” Tophäuser hätten geordert: da runter Pfüller und Vanilla in Frankfurt, Flips in München, Bailly Diehl mit mehreren Filialen.
Markante Schließen, Kreppsohlen, grobe Ösen und Schnürungen spielen in das kernige Thema hinein, das vom Bergsteigen und Trekking inspiriert ist. Pelz und Fell gehören auch dazu.
Stiefel bekommen neue Impulse durch Overknees. „Die Tendenz ist klar: Es wird höher. Overknees kommen gut an”, sagt Conradi. „Ein junges Thema, aber wir haben es gut verkauft”, so auch Silke Sauer von S.Oliver. Und dann ist da noch Lack: „Das Thema läuft weiter, ist aber nicht mehr so stark wie im vergangenen Winter Allerdings — Lackleder im Mix mit Nappa, das ist eines unserer absoluten Top-Themen im Verkauf”, so Ralf Butz. Auch Sauer glaubt daran: „Lack kommt nicht mehr allover. Aber im Mix. Oder Glanz entsteht über polierte Leder.”
Was tut sich bei Männerschuhen?
Schlanke, langgezogene Leisten bei Lloyd, Sneaker in Lackleder bei van Bommel, Klassiker mit flexiblen Böden bei Doucal’s. Beim Gang über die Messe wird schnell deutlich: es wird mehr Modernität verlangt — in allen Bereichen.
Die Klassik, auch das ist klar, lebt von neuen Formen: „Länger im Blatt, etwas runder, nicht zu spitz”, fasst Coppolechia zusammen. Die Entwicklung zu klassischen, aber modernen Schuhen zieht sich mittlerweile quer durch alle Genrestufen. Genauso wie die Aufgeschlossenheit für neue, frische Themen. Coppolechia: „Auch Klassik muss immer einen Tick weiter sein. Das Normale können sie vergessen.”
Kurt Gruber von Franceschetti (Lendvay Schwarcz, W. Gibbs, Franceschetti) sieht das ähnlich: „Sie müssen der Klassik immer etwas mehr geben: schlanke Leisten, poliertes Leder, überraschende Nähte. Dann kann man gute Geschäfte machen.” Und neue Preislagen durchsetzen: „Mehr Modernität in den Produkten ist ganz entscheidend”, bestätigt Andreas Schaller von Lloyd Shoes. „Das hilft uns, spürbar höhere Preise durchzusetzen.” Die Sulinger strecken ihre Fühler stärker in Richtung Textilhandel aus. Schaller: „Dieser Markt entwickelt sich sehr vielversprechend, vor allem wenn man Flächenkonzepte anbieten kann.”
Tenor bei vielen Anbietern: Die Einkäufer von Modehäusern seien neuen Themen gegenüber aufgeschlossener als der Schuhfachhandel.
GDS Frühjahr 2008
7. April 2008 | Artikel Bericht an Freunde mailen
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geschrieben von Mode Team
veröffentlicht in Modemessen
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Haha, genau meine Meinung. Frohe Weihnachten, lass dich schoen beschenken heute Abend.